12. März 2008, 23:54 Uhr, lucent72LisaLisa ist eine interessante Frau Mitte Dreißig, ausgestattet mit vollen Lippen. Als ich sie traf hatte sie schon zehn Jahre keinen Geschlechtsverkehr. Wir lernten uns auf einer Party kennen, und sie lud mich für den nächsten Tag zum Tee ein. Wir saßen in ihrer mintgrünen Küche bei Schwarztee und Zimtsternen. Sie kam schnell zur Sache und erklärte die Hintergründe für ihre sexuelle Abstinenz. Für sie hatte allein der Gedanke an den Akt, also die sexuelle Begierde die sich im Kopf abspielt um ein vielfaches mehr Poesie im Arsch als jeder Austausch von Körperflüssigkeiten in der Realität. Sie sagte: „Geistige Freiheit erreiche ich durch sexuellen Verzicht, das ist meine Überzeugung.“ Und es klang Überzeugend. Sie verzichtete auf Körperlichen Sex mit einem Partner, somit erklärte sich auch ihre Auswahl an Dildos die ich im Bad vorfand. Fein säuberlich lagen ihre kleinen Freunde auf einem Handtuch ausgebreitet. Die ganze Palette: Naturdildo, Analdildo, Doppeldildo, Dildoslip, und andere Gerätschaften. Sie wollte ihr Experiment für einen Zeitraum von einem halbem Jahr leicht abändern, ab jetzt trafen wir uns einmal in der Woche bei ihr, jeden Donnerstag. Also ging ich am ersten Donnerstag nach unserem Gespräch zu ihr, ohne zu wissen was mich dort erwartete, aber bis jetzt gefiel mir das Spiel. Als sie mir die Türe öffnete führte sie ihren Zeigefinger an meine Lippen um mir zu bedeuten das ich nicht sprechen sollte. Sie zog mir im Flur die Hose runter, und lutschte meinen Schwanz, ich kam schnell, die Situation war sehr erregend. Danach verschwand Lisa ohne ein Wort zu verlieren in die mintgrüne Küche und goss frischen Schwarztee auf. Wir saßen dann wie schon beim ersten Treffen bei Gebäck und Tee in der Küche, diesmal ohne ein Wort zu sprechen. Als sie ausgetrunken hatte sah sie mich an und sagte: „Nun musst du mich lecken.“ Ich war überrascht kam ihrer Aufforderung aber gerne nach. Danach brachte sie mich zur Türe und meinte nur: „Denk daran das du pünktlich bist nächsten Donnerstag.“ Völlig verwirrt stand ich auf der Straße und dachte, was war denn das? So verliefen auch die anderen Treffen, ich geriet in eine Abhängigkeit wie ich es noch nie erlebte. So nach und nach verstand ich ihre Theorie von der Geistigen Unabhängigkeit durch Verzicht. An einem kalten Donnerstag im Januar war es vorbei, das halbe Jahr war um, sie war nicht mehr in der Stadt, ich sah sie nie wieder. Das war Lisa.
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04. November 2004, 09:17 Uhr, lucent72Sie steht auf michEin Sonnenstrahl sticht wie ein scharfes Messer durch die Wolken, so als würde die Klinge durch Fleisch gleiten, und eine klaffende blutige Wunde hinterlassen. Diese blutig anmutende Öffnung findet sich nun am Himmel wieder, bizarr. Ich verlasse die Wohnung um in einem nahe gelegenen Cafe meine Gedanken auf Milchkaffeeschaum zu betten. Zwei Tische vor mir sitzt ein hübsches Mädchen, sie drückt ihre Kippe aus, schon die zweite innerhalb kürzester Zeit, wieder nur bis zur hälfte geraucht, sie wirkt fahrig. Ich mag wie sie sich kleidet, ich mag ihre roten Lippen. Sie ist genau meine Kragenweite, ich kann meinen Blick nicht von ihr abwenden. Das wäre heute genau der richtige Tag um ein hübsches Mädchen in einem Cafe anzusprechen. Ich lade sie einfach zu mir zum Tee ein, und wir vergessen die Welt. Auch die Farbe ihrer Unterwäsche würde mich brennend interessieren. Ich brauche eine gute Taktik um sie zu verführen. Ich blicke sie nochmals an, und in diesem Moment schickt sie ein lächeln in meine Richtung. Na also, sie hat angebissen, es geht los. Jetzt noch schnell zur Toilette, Händewaschen, Taktik überdenken, und dann folgt der Angriff.
Heute wäre ich lieber nicht aufgestanden, ich hätte aus dem Fenster kotzen sollen und mich wieder ins Bett legen. Es ist nichts besonderes, verspüre nur eine aggressive Grundhaltung, seit der ersten Sekunde an diesem tage. Bevor ich aus dem Haus ging trug ich meinen knalligsten roten Lippenstift auf, um die gesamte Menschheit zu warnen. Achtung aggressive Wallungen! Nach der Arbeit bin ich nochmals in die Stadt zum Frustkaufen, immer wieder das einzig wahre an diesen tagen. Nach meinem Beutezug hatte ich noch Lust auf einen Kaffee, ich ging in ein nettes Cafe das auf meinem Heimweg lag. Das Wolkenspiel am Himmel war faszinierend, blutig, düster, rockig. Während ich auf den Kaffee warte, zünde ich mir meine zweite Zigarette an, ich rauche eindeutig zuviel. Sie schmeckt mir nicht besonders, ich drücke sie frühzeitig aus. Ein paar Tische weiter sitzt ein Typ, er glotzt mich sehr auffällig an. Langsam nervt es mich, wie er mich geil anstarrt, merkt er denn nicht das ich in einer anderen Liga spiele? Ich lächle dem netten Kellner zu, und gebe ihm zu verstehen das ich zahlen möchte. Während ich auf den Kellner mit dem Knackarsch warte, steht der Typ mit dem debilen Grinsen auf, und bewegt sich höchstwahrscheinlich zu den Toiletten. Der Kellner kommt, ich bezahle und mache mich schnellstens aus dem Staub bevor mich der Typ auf dem Rückweg noch dumm anmacht. Das würde mir heute den Rest geben.
Ich atme nochmals tief durch und verlasse die Toiletten, jetzt schnapp ich mir die Kleine. Als ich um die Ecke biege muss ich zu meinem entsetzen feststellen das ihr Tisch leer ist, sie ist weg, so ein Scheiß. Das gibt es doch nicht, ich war mir meiner Sache so sicher. Frustriert verlagere ich meinen Standort vom Tisch an die Bar, bestelle ein Bier und fluche. Vielleicht treffe ich sie ja bald mal wieder, wer weiß, ich war so nah dran.
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19. Oktober 2004, 15:21 Uhr, lucent72Schlagzeugschlegel Anna steht am Fenster, sie wohnt in München. Anna steht nackt am Fenster, sie will sich noch nicht anziehen, mit dem anziehen beginnt der Tag, noch soll er nicht beginnen der Tag, sie möchte den Geschmack der Nacht behalten. Die Nacht schmeckte nach süßen, schweren, satten Weintrauben. Der Tag schmeckt wie der ausgekotzte Brei von den süßen, schweren, satten Weintrauben.
Die Obstsorte kann wahlweise variieren. Nun gut, die Wohnung liegt im dritten Stock, genau 67 Stufen trennen Anna vom Leben da draußen.
Hans wohnt im Haus gegenüber, er war die ganze Nacht unterwegs und freut sich nun auf den Tag, auf sein Bett. Er steht um diese Zeit meist am Fenster um das hübsche Mädchen von gegenüber zu beobachten, dieses Mädchen steht oft nackt am Fenster. Hans ist Arbeitslos, um sich zu beschäftigen lässt er sich ständig irgendwelche Projekte einfallen.
Sein derzeitiges Projekt besteht darin am Tage zu Schlafen und in der Nacht die Stadt mit dem Nightliner zu erkunden. Er fährt mit dem Nachtbus die ganze Strecke ab, steigt hier und da mal aus, macht Notizen, schießt Fotos und erkundet die Straßen der Endstationen. Das Mädchen steht nicht mehr am Fenster, gut so, nun kann Hans ins Bett.
Anna spielt kein Schlagzeug, sie mochte aber schon immer das Wort Schlagzeugschlegel, deshalb besitzt sie welche. Aus dem Haus gegenüber ertönt ab und an ein Schlagzeug, sie hat es schon länger nicht mehr gehört, meist sind dort die Vorhänge zugezogen. Einmal sah sie dort einen Mann am Fenster stehen, er hatte Schlagzeugschlegel in der Hand und sah zu ihr herüber, ihr fiel ein das sie ja nackt war, sie blieb stehen.
Anna bastelt einen Papierflieger, auf dem steht: Bitte spiel wieder. Irgendwann lässt sie den Papierflieger rübergleiten, bestimmt. Irgendwann wird sie ihr Leben ändern, bestimmt.
Hans schläft noch nicht, er geht seine Tour noch mal im Geiste durch. Hans würde gerne mal wieder sein Schlagzeug begehren, er wurde schon lange nicht mehr verführt. Hans mochte den musikalischen Sex gerne, bald wird er wieder Spielen, bald.
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03. Juli 2004, 13:27 Uhr, lucent72Schwermut tut oftmals gut Die Melancholie hat oftmals einen schlechten Ruf, zu unrecht wie ich finde. Wenn es sich hierbei wirklich um eine Gemütskrankheit handelt, dann bitteschön, da bin ich gerne mal krank. Ich mag ihn sehr, den schwermütigen Zustand, er macht mich für kurze Zeit schwerelos.
Ich schwimme in ihm, wie in einem klaren Bergsee, ich tauche unter und sobald ich an die Oberfläche gleite fühle ich mich frisch und frei, frei vom Alltag, frei von Zwängen. Um diese Ebene zu erreichen wird gerne mit Liebeskummer gearbeitet, oftmals unterstützt durch den passenden musikalischen Background, es ist vieles erlaubt.
Mit trauriger Musik klappt es immer, auch ohne Liebeskummer. Ich kenne Menschen die mögen dieses Gefühl nicht, sie versuchen zu fliehen, aber weshalb sollte man vor diesem Gefühl fliehen, oder es erst gar nicht zulassen? Hier fehlt mir die passende Antwort, wie gesagt ich mag´s recht gerne. Ok, es ist Vorsicht geboten, zu tief abgleiten sollte man nicht, doch bis ganz unten ist es ein weiter weg.
Die Melancholie ist ein Gefühlsverstärker der besonderen art, eine natürliche Droge, absolut legal, selbst in Bayern. Unter dem Eindruck der Melancholie werden viele Dinge sehr klar. Die Wahrnehmung wird stark sensibilisiert, ich achte auf Kleinigkeiten die in Normalform nicht weiter von Bedeutung sind.
Es gab goldene Herbsttage überzogen mit einem bunten Blätterteppich da zerriss mich dieser Gemütszustand schier vor Glück, welch Widerspruch, seltsam, dennoch so war es.
Verspüre ich einen gesunden Pegel an Melancholie, so empfinde ich das Leben am intensivsten.
Nur Worte, einfache Gedanken, einfach mein Leben.
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03. Juli 2004, 13:25 Uhr, lucent72Musikalische Gehirnwäsche Mein Körper steht vor meiner Anlage, der Rest von mir liegt noch im Bett, seit Tagen. Ich spaziere schon seit Tagen nur mit meiner Körperhülle durch das Leben, da die restlichen Bestandteile unauffindbar sind. Ein seltsames Gefühl.
Gestern saß ich in einem Cafe, ganz normale Geschichte: Milchkaffee, Leute beobachten, Nachdenken. Irgendwann schossen meine Gedanken ganz weg, ich war komplett an einem anderen Ort, so als würde ich mich von oben beobachten, merkwürdig.
Während der Kaffee läuft bin ich am überlegen mit welchem Song ich in den Tag starten werde. Ich benötige jeden Tag ein Lied das mich auf Kurs bringt, geht nicht ohne. Der Tagessong hängt in meinem Ohr, solange bis ich einen neuen andocke.
Heute, an diesem arschigen Tag muss schon einer her der mich einmal quer durch´s Zimmer schleift, das geht gut mit „Back 2 Mono – Trickshot“. Schnell hab ich die CD gefunden, nun steh ich mit meiner Tasse Kaffee, verpeiltem Blick und ner Handvoll austauschbarer Gedanken in der Mitte des Raumes, bereit zur musikalischen Gehirnwäsche.
Meine Augen sind geschlossen, der Beat und der Wind tanzen einen Reigen der Sehnsüchte in meinem Zimmer, in meinem Kopf.
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03. Juli 2004, 12:43 Uhr, lucent72Ist Wut gut?Man kann es drehen wie man will, es ist nun mal dieses eine Leben, und es passiert jetzt. Gestern war auch wichtig, morgen schon könnte es eine Antwort geben. Doch in dieser Sekunde, in diesem Moment entstehen die Verknüpfungen.
Die Gegenwart ist wie dieser Sommeranfang, launisch und ernüchternd. Die Zukunft ist vorerst berechenbar, die kann man sich zurechtlegen in Gedanken, progressive Gedanken.
Der Spruch Nutze den Tag ist überholt, ist es doch der Tag welcher mich benutzt. Der Illusion beraubt. Doch die gute Wut ist da, die Wut ist der Antrieb, verlass mich nicht liebste Wut.
Die U-Bahn fährt aus dem Tunnel, schmettert mich hinaus, nach oben ans Licht. Ich klappe mein Buch zu, mein Blick und die gefangenen Worte, gefangen im Kopf, schwirren durch das Abteil. Sind diese Menschen hier auch getrieben von der Wut, oder wurden sie schon geschluckt?
Passiert es wirklich jetzt, oder ist meine Wahrnehmung zeitverzögert?
Es lohnt sich darüber nachzudenken, später.
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05. Mai 2004, 10:48 Uhr, lucent72Gefräßige Mittelmäßigkeit An manchen Tagen fühle ich mich von der Mittelmäßigkeit meines momentanen Daseins regelrecht verschluckt. Nicht mal das Verschlucken gelingt, es fühlt sich an als ob ich im Halse der Mittelmäßigkeit quer liege, und nun darauf warten kann ob ich ausgekotzt oder geschluckt werde. An diesen Tagen würde ich mich am liebsten verlaufen. Vielleicht in der Mittagspause im Supermarkt? Einfach durch einen Hinterausgang gehen und ganz woanders rauskommen, alles gelöscht, alles auf Null. Die Mittelmäßigkeit an sich ist nicht sonderlich schlimm, nur meine Mittelmäßigkeit hat guten – und regelmäßigen – Sex mit dem Stillstand. Durch das wilde Kopulieren beider Zustände entsteht die Brut der Unzufriedenheit. Ich bin auf der Suche nach Zielen, nur wo ist die verdammte Startlinie? Nacht´s durchstreife ich die Straßen der Stadt, um – wie „Nietzsche“ schon sagte – beim laufen die guten Ideen zu finden. Fehlanzeige! Ich blicke durch die erleuchteten Fenster in das Leben der anderen, auch hier keine Antworten. Nun liege ich im Bett und schaffe mir Erleichterung durch Onanie. Mit einem kleinen Lächeln zieht es mich weg, könnte ja sein das Morgen was geht.
Motivationssong: Attwenger – Gedscho, gedscho, gedscho wieda weida...
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