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04. November 2004, 09:17 Uhr, lucent72

Sie steht auf mich

Ein Sonnenstrahl sticht wie ein scharfes Messer durch die Wolken, so als würde die Klinge durch Fleisch gleiten, und eine klaffende blutige Wunde hinterlassen. Diese blutig anmutende Öffnung findet sich nun am Himmel wieder, bizarr. Ich verlasse die Wohnung um in einem nahe gelegenen Cafe meine Gedanken auf Milchkaffeeschaum zu betten. Zwei Tische vor mir sitzt ein hübsches Mädchen, sie drückt ihre Kippe aus, schon die zweite innerhalb kürzester Zeit, wieder nur bis zur hälfte geraucht, sie wirkt fahrig. Ich mag wie sie sich kleidet, ich mag ihre roten Lippen. Sie ist genau meine Kragenweite, ich kann meinen Blick nicht von ihr abwenden. Das wäre heute genau der richtige Tag um ein hübsches Mädchen in einem Cafe anzusprechen. Ich lade sie einfach zu mir zum Tee ein, und wir vergessen die Welt. Auch die Farbe ihrer Unterwäsche würde mich brennend interessieren. Ich brauche eine gute Taktik um sie zu verführen. Ich blicke sie nochmals an, und in diesem Moment schickt sie ein lächeln in meine Richtung. Na also, sie hat angebissen, es geht los. Jetzt noch schnell zur Toilette, Händewaschen, Taktik überdenken, und dann folgt der Angriff.

Heute wäre ich lieber nicht aufgestanden, ich hätte aus dem Fenster kotzen sollen und mich wieder ins Bett legen. Es ist nichts besonderes, verspüre nur eine aggressive Grundhaltung, seit der ersten Sekunde an diesem tage. Bevor ich aus dem Haus ging trug ich meinen knalligsten roten Lippenstift auf, um die gesamte Menschheit zu warnen. Achtung aggressive Wallungen! Nach der Arbeit bin ich nochmals in die Stadt zum Frustkaufen, immer wieder das einzig wahre an diesen tagen. Nach meinem Beutezug hatte ich noch Lust auf einen Kaffee, ich ging in ein nettes Cafe das auf meinem Heimweg lag. Das Wolkenspiel am Himmel war faszinierend, blutig, düster, rockig. Während ich auf den Kaffee warte, zünde ich mir meine zweite Zigarette an, ich rauche eindeutig zuviel. Sie schmeckt mir nicht besonders, ich drücke sie frühzeitig aus. Ein paar Tische weiter sitzt ein Typ, er glotzt mich sehr auffällig an. Langsam nervt es mich, wie er mich geil anstarrt, merkt er denn nicht das ich in einer anderen Liga spiele? Ich lächle dem netten Kellner zu, und gebe ihm zu verstehen das ich zahlen möchte. Während ich auf den Kellner mit dem Knackarsch warte, steht der Typ mit dem debilen Grinsen auf, und bewegt sich höchstwahrscheinlich zu den Toiletten. Der Kellner kommt, ich bezahle und mache mich schnellstens aus dem Staub bevor mich der Typ auf dem Rückweg noch dumm anmacht. Das würde mir heute den Rest geben.

Ich atme nochmals tief durch und verlasse die Toiletten, jetzt schnapp ich mir die Kleine. Als ich um die Ecke biege muss ich zu meinem entsetzen feststellen das ihr Tisch leer ist, sie ist weg, so ein Scheiß. Das gibt es doch nicht, ich war mir meiner Sache so sicher. Frustriert verlagere ich meinen Standort vom Tisch an die Bar, bestelle ein Bier und fluche. Vielleicht treffe ich sie ja bald mal wieder, wer weiß, ich war so nah dran.

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